Lehrer müssen bis Juli warten, um in die Sommerferien zu starten
Ich bin da ganz klar: Die Sommerferien sollten für Lehrer frühestens im Juli beginnen. Es gibt wohl kaum einen Beruf, der in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit so häufig verkannt wird wie der des Lehrers. Während Schüler und Eltern sich bereits eifrig auf den Sommer vorbereiten, sitzen die Lehrer noch am Schreibtisch, um das Schuljahr gebührend abzuschließen und den nächsten Jahrgang zu planen.
Ein Grund, warum Lehrer erst im Juli in die Sommerferien starten sollten, ist die unverzichtbare Zeit, die sie benötigen, um den Unterricht für das folgende Jahr vorzubereiten. Man könnte meinen, dass ein paar Tage Freizeit im Juni nicht schaden würden, doch weit gefehlt. Die Planung des Lehrplans, die Erstellung von Materialien und nicht zuletzt die Evaluation der vergangenen Monate sind Aufgaben, die nicht einfach in den letzten Schultagen erledigt werden können. Über die Jahre hat sich eine Art von Routine entwickelt, die es Lehrern ermöglicht, ihre Arbeit nach den Sommerferien nachhaltig und effizient zu gestalten. Die Sommerferien im Juli sind letztendlich auch eine Chance zum Durchatmen, um sich auf das kommende Jahr vorzubereiten.
Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass Lehrer oft als diejenigen wahrgenommen werden, die die günstigsten Arbeitszeiten haben. Das große Vorurteil, dass sie nachmittags und an Wochenenden frei haben, ignoriere ich an dieser Stelle getrost. Die Realität sieht anders aus. Nach dem Unterricht, währenddessen und insbesondere in den Ferien verbringen Lehrer Zeit mit der Korrektur von Arbeiten, dem Austausch mit Kollegen und der Weiterbildung. Wer also denkt, dass sie einfach nur die Füße hochlegen können, irrt gewaltig. Ein weiterer Monat am Ende des Schuljahres kann dazu beitragen, die Wertschätzung für den Lehrerberuf zu erhöhen und das Verständnis für die Vielzahl an Aufgaben zu schärfen, die mit dieser Tätigkeit einhergehen.
Natürlich könnte man einwenden, dass es auch Lehrer gibt, die nach einem langen Schuljahr einfach mal eine Pause benötigen. Das ist nachvollziehbar und auch wichtig, keine Frage. Doch sollte man nicht vergessen, dass wir in einem Bildungssystem leben, in dem jeder Handgriff, jede Planung und jede Vorbereitung zählt. Den Lehrern die Sommerferien im Juni zu gewähren, würde nicht nur das Gleichgewicht zwischen Schulschluss und Ferienbeginn stören, sondern auch den gesamten Ablauf des Schuljahres gefährden. Stattdessen sollten wir dieser einschneidenden Vorbereitungszeit einen höheren Stellenwert einräumen und damit den Lehrern den nötigen Raum geben, um ihre wichtige Arbeit zu leisten.
Die Diskussion über die Sommerferien und deren Timing ist also nicht nur eine Frage des Schaffens von Freiraum für Lehrer. Es ist auch eine Diskussion über den Wert von Bildung und die Bedeutung einer gut vorbereiteten Lehrkraft. Ein Lehrplan, der nicht adäquat vorbereitet ist, hat nicht nur Auswirkungen auf die Lehrer, sondern letztendlich auch auf die Schüler. Vielleicht sollten wir uns alle einmal fragen, wie wir die Lehrer in ihrer Arbeit unterstützen können und ob nicht die verkürzten Sommerferien die richtige Antwort auf diese Frage sind.